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Sternenkinder – Auch Männer leiden

Ein sensibles Thema – Was sind Sternenkinder ?

Als Sternenkinder werden im engeren und ursprünglichen Sinn Kinder bezeichnet, die mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm vor, während oder nach der Geburt versterben. Im weiteren Sinne wird Sternenkinder von betroffenen Eltern auch für solche Kinder verwendet, die mit mehr als 500 Gramm Geburtsgewicht sterben.

Der poetischen Wortschöpfung liegt die Idee zugrunde, Kinder zu benennen, die „den Himmel“ (poetisch: die Sterne) „erreicht haben, noch bevor sie das Licht der Welt erblicken durften“.

In Deutschland kommen jährlich etwa 1500 Kinder tot zur Welt oder sterben kurze Zeit später die weniger als 500gr wiegen.

„Meine Beiden, auch wenn wir zusammen keine Zeit verbringen konnten, so seit ihr doch in meine Herzen und lebt weiter. Ich denke ihr wärt die besten Kinder gewesen, die man sich vorstellen kann. Ich hab euch lieb. „

Diese Zeilen schrieb ich vor 17 Jahren an meine beiden toten Zwillingsmädchen, meine Sternenkinder. Monatelang war das eingerichtete Kinderzimmer eine Gedenkstätte für die beiden. Es quälte mich jeden Tag. Diese „Qualen“ war so stark, das wir sogar umziehen mussten. In eine andere Wohnung, in einen anderen Ort. Auch heute noch werde ich an ihrem Geburtstag richtig depressiv und für einen Mann auch richtig emotional. Auch fliessen hin- und wieder Tränen, aber das ist gut so. Genauso wie jetzt gerade, in dem Moment da ich dies schreibe. Obwohl schon soviel Zeit vergangen ist, habe ich noch diesen innerlichen Schmerz.

Hierzu habe ich einen Bericht in „Die Zeit“ gefunden:

Für Frauen ist der Verlust eines Kindes ein Gefühl des Scheiterns. Ein Gefühl, der Rolle als Frau nicht nachgekommen zu sein, als Frau versagt zu haben.

Doch nicht nur Mütter, auch Väter müssen lernen, mit dem Tod ihres Kindes umzugehen. Es fällt ihnen schwerer, über ihre Trauer zu reden. Der Verein„Verwaiste Eltern“ versucht denn auch nicht nur Müttern, die ihr Kind verloren haben, durch Seminare und Selbsthilfegruppen bei der Verarbeitung dieses Schicksalsschlags zu helfen, sondern bietet auch Gruppen speziell für Sternenväter an. Denn während viele Frauen ihre Trauer und Wut herauslassen können, offen über Selbstmordgedanken reden und gleichzeitig den Wunsch nach einem neuen Kind äußern, ziehen sich Männer oft zurück und verfallen in Depressionen.

Etwa 3000 Kinder werden jährlich in Deutschland – wie die Sterneneltern sagen – „still geboren“. Mittlerweile hat sich im Internet eine große Gemeinschaft von Sterneneltern gebildet. „Ich war erstaunt und entsetzt, wie viel Menschen dasselbe durchleben mussten wie ich“, schreibt eine Internetbenutzerin. „Ständig denke ich über eine weitere Schwangerschaft nach“, steht dort, „aber mein Mann war einfach noch nicht bereit. Er befürchtet, dass wir neue Hoffnung schöpfen und dass dann wieder der große Knall kommt.“ Tatsächlich liegt das Risiko, nach einer Fehlgeburt eine weitere zu erleben, zwischen 12 bis 24 Prozent und steigt mit jedem weiteren Versuch um zehn Prozent an. Viele Beziehungen zerbrechen daran. Auch das Sexualleben leidet, die Frauen blocken ab, fühlen sich unattraktiv und betäubt.

Neben ihrer Trauer um das tote Kind müssen die Eltern noch einen weiteren Schock verkraften: Die deutsche Friedhofsverordnung gestattet nur Personen eine Bestattung – keinen Menschen. Wann ist ein Mensch ein Mensch und wann ist er eine Person? Nach dem Personenstandsgesetz muss das Herz schlagen, eine natürliche Lungenatmung einsetzen und ein Mindestgewicht von 500 Gramm erreicht sein – ein Gewicht, das bei einem frühen Zeitpunkt einer Fehlgeburt oft nicht erreicht wird. Wenn ein Kind also leichter als 500 Gramm ist, bleibt lediglich ein Mensch. Und der hat kein Recht auf einen Namen, kein Recht auf eine Bestattung.

Dabei ist es für die Verarbeitung des Todes sehr wichtig, Abschied zu nehmen. Von dem Kind und allen Plänen, die man für das gemeinsame Familienleben geschmiedet hat. Es ist hilfreich, dem Kind einen festen Platz in der Familie zu geben, sei es, indem man das tote Kind noch einmal hält und ansieht, sei es durch eine Segnung oder, indem man ihm einen Namen gibt. Im Internet finden sich sogar Sternenstrickereien – hier können die Sternenmütter winzige Mützchen und Jäckchen für Babys ab der 22. Schwangerschaftswoche bestellen, in der sie ihre Kinder beerdigen können.

Für Verwandte und Familienangehörige ist es nicht leicht, die starke emotionale Bindung zu einem kleinen Wesen nachzuvollziehen, das oftmals nur wenige Stunden und durch Dutzende von Schläuchen am Leben erhalten werden konnte. Zumal die Trauerphase mehrere Jahre lang dauern kann. Freunde haben in den ersten Monaten nach der Schwangerschaft zwar großes Verständnis und sind gute Zuhörer, doch nach einer gewissen Zeit werden sie mürbe. Dann fangen sie an,  „Immer-noch?“-Fragen zu stellen. Schwangere Freundinnen wiederum haben oft Schuldgefühle und versuchen, dem Paar mit ihrem dicken Bauch aus dem Weg zu gehen. Auch tröstend gemeinte Worte können schmerzen. „Es ist sicher besser so.“ „Ihr könnt ja noch andere Kinder haben.“  

Für manche Betroffene ersetzt das Internet das leer gebliebene Kinderzimmer. Liebevoll werden dort Seiten eingerichtet, alles ist sehr bunt und verspielt. Im Hintergrund funkeln Sterne, auf der Begrüßungsseite lächelt Winnie The Pooh oder tanzen Diddel-Mäuse. Man findet ein Fotoalbum mit Ultraschallbildern oder Bilder der winzigen Körper in Brutkästen, dazu Gedichte und Briefe an das verstorbene Baby. Zu Weihnachten, Ostern und zum Geburtstag werden Glückwunschkarten abgebildet. Obwohl das Kind tot ist, tun seine Eltern alles dafür, um weiterhin eine Bindung zu ihm zu halten, eine Art Kindheit mit ihm zu erleben. In der Fantasie der Eltern entstehen sogar Freundschaften unter den Sternenkindern – betroffene Eltern, die sich durch Selbsthilfegruppen und Foren kennen gelernt haben, verlinken ihre Seiten untereinander und schreiben sich, dass ihre Kinder „miteinander spielen“.  

Weiterleben. Das Wichtigste für die Sterneneltern. Nicht ihren Kindern folgen, sondern weiterleben. Viele Frauen habe nach einer Fehlgeburt ein gesundes Kind zur Welt gebracht und mit ihrem Partner eine glückliche Kleinfamilie gegründet. Das verlorene Kind werden sie jedoch nie vergessen. 

Ja auch wir, meine Frau und ich, habe danach noch drei (3) wundervolle Kinder bekommen. Auch die drei will ich heute nicht missen , aber der Gedanke war damals immer präsent , was passiert wenn auch sie als Sternenkinder
 „geboren“ werden. Gottseidank ist dies nicht passiert.

So, ich schliesse jetzt dieses für mich sehr emotionales Thema und räume meine 2 verbrauchten Päckchen Taschentücher weg. Noch die restlichen Tränen trocknen und vorbereitet sein auf meine andere Kids, die gleich von der Schule kommen.

(Quellen: wikipedia, Die Zeit)

3 Kommentare zu „Sternenkinder – Auch Männer leiden

  1. Danke, dass dieses Thema angesprochen wird. Ich bin zwar selbst nicht betroffen aber ich finde es dennoch wichtig, dass solche Berichte gibt. Ich wünsche allen betroffenen Vätern (natürlich auch Müttern) alles viel Kraft.

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