Veröffentlicht in Berichte, Reisen, Schweiz

Reise-Blog: Schweiz nur langweilig?

Missverständnisse, so viele Missverständnisse. Das geht schon los, wenn ich berichte, dass ich mal wieder nach Zürich muss. Diese gediegenen, leicht angestaubten Grandhotels, ein herziges Fondue in einem Restaurant mit karierten Tischdecken… Irrtum!

Meine Gesprächspartner müssen gar nichts dazu sagen, ich lese es an ihrem Gesichtsausdruck ab, was sie im Allgemeinen über die Schweiz denken: Laaangweilig…

So idyllisch wie mancherorts in der Schweiz geht es im Züricher Nachtleben nicht zu

Ein Vorurteil. Die Schweiz kann sogar richtig abenteuerlich sein. Wer hat schon mal eine Suchexpedition nach hochalpinen Gletscherflöhen begleitet? Ich fand’s enorm spannend. Oder einen Kursus in Jodeln oder Alphornblasen belegt? Prickelnd!

Die Schweizer seien unterkühlt heißt es – ich habe sie eher humorvoll und ausgelassen erlebt

Und dann meinen meine Leute auch immer, die Schweizer seien humorlos. Was erst recht nicht stimmt. Nur eins muss man wissen: Schweizer lachen prinzipiell eher selten über Witze über Schweizer und die Schweiz. Sollte jemand also unbedingt einen raushauen müssen, tauscht er am besten das Wort „Schweizer” gegen „Österreicher” aus. Dann strahlt auch der Eidgenosse. Und findet’s „sauglatt“ – sehr lustig.

Party in Zürich – aber ja!

Aber zurück nach Zürich. Zugegeben: Als Party-Destination klingt die Schweizer Bankenmetropole für Uneingeweihte in etwa so aufregend wie Beerdigungskaffee mit Großtante Agathe. Tatsache aber ist: Zürich mit seinen gerade mal 393.000 Einwohnern hält für Tanz- und Flirtwütige mehr Club-Fläche parat als die Millionenmetropolen London und Paris zusammen. Und alles ist hübsch nah beieinander.

Wer das nicht glaubt, kommt in die Anstalt. Und zwar in die Badeanstalt. Die Zürcher sagen liebevoll Badi. Diese säumen die schönsten Uferstellen des Zürichsees und des Limmat-Flusses. Tagsüber wird geschwommen, abends wandeln sich die Badis zu Lounges, Bars und Restaurants.

Unverschämt teuer – das auch!

Aber doch ein bisschen teuer die Schweiz, oder? Leider falsch: Die Schweiz ist unverschämt teuer. Aber nur, wenn man zum Beispiel in der wunderschönen Bar des „Widder“-Hotels 4 cl vom schottischen Single Malt „Ardbeg 40“ für 1.500 Franken bestellt. Bar-Chef Markus Blattner nennt das Konsumieren derart teurer Getränke „Once-in-a-Liftime-Shots“, also etwas, das man höchstens einmal im Leben tut – falls man nicht zufällig ein Züricher Hedgefondmanager ist. In seiner „Library of Spirit“ hält Blattner mehr als tausend edle Tropfen bereit, darunter auch erfreulich Erschwingliches.

Bars vom Feinsten – nur hier!

Nicht weit vom „Widder“, am idyllischen Idaplatz, befindet sich die „Berta Bar“, ein weiteres Kleinod der Barkultur mit richtig gutem Sound. Ich mag den Laden, weil er so unprätentiös ist. Tanzlustige treibt es in die „Zukunft“, stets rappelvoll und voll im Rhythmus. Ein musikalisches Biotop in der Dienerstraße mit Afrotech und Deep House.

Einer meiner Favoriten fürs Ausgehen zu zivileren Zeiten ist das „Kaufleuten“, die Legende am Pelikanplatz. Eine barocke Halle mit Stuck und schweren Samtvorhängen, vom „Wall Street Journal” zu einem der zehn hippsten Lokale Europas gekürt. Ich kann Ihnen versichern, dass es dort ganz viel zu gucken gibt. Das gilt auch für den „Indochine Club“.  Gehobener Asia-Schnickschnack, die unvermeidlichen Buddhas, Logen mit Kissen und Vorhängen. Dort kann man aber mal schauen, was Züricher Männer für einen Schlag bei den Mädels haben.

Der wohl berühmteste Hund

Money for my honey

Selbst Vollschlanke und nicht mehr ganz so Knackfrische, alle knuddeln sie diese jungen sexy Frauen. Ihr Geheimnis? Unter uns: Zürich ist das bedeutendste Wirtschaftszentrum der Schweiz und der weltweit größte Goldumschlagplatz. Attraktiver geht’s nun wirklich nicht, oder?

Das Schwyzerdütsch allerdings hat es in sich. Schweizer Kinder bekommen „Sackgeld“. Denn wo der Deutsche in die Tasche greift, da langt der Schweizer in den Sack. Das berühmte Schweizer Taschenmesser ist folglich ein „Sackmesser“. Logisch. Und was ist ein Taschentuch? Hoppla, beinahe reingefallen: Natürlich kein Sacktuch, ein „Nastuech“! Sauglatt, dieses Schwyzerdütsch, oder?

(Quelle: Hans Schloemer)

Ein Kommentar zu „Reise-Blog: Schweiz nur langweilig?

  1. Wieso ins Kaufleuten? Mit 16 war unser Traum noch ins Kauf zu dürfen. War dann auch 2, 3 mal dann ganz gut als wir endlich rein durften. Aber mittlerweile ist das „Kauf“ bei mir und meinen Freunden recht verpöhnt. Plaza oder Hive sind jetzt unsere Clubs geworden. Kannst du ja nächstes mal einen Abstecher machen 🙂

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